Der Steinbock ist schon seit über 100 Jahren wieder zu Hause

Ein majestätisches Tier darf nun auf ein über hundertjähriges Jubiläum zurück blicken, denn so lange ist es her, seitdem es die Alpen wieder sein Zuhause wähnen darf, seitdem es in seinem natürlichen Umfeld leben darf. Der Steinbock ist ein Wahrzeichen der steinigen Alpenwelt. So mancher steile Fels, den er bezwingt, kann nur von erfahrenen Bergsteigern überwunden werden. Er jedoch schafft es mit seinen vier behuften Beinen mit Leichtigkeit. Grazil und gekonnt steigt er die unwegsamsten Alpenstriche hoch, bis zu den höchsten Gipfeln, von wo er in die Ferne sieht. Am faszinierendsten ist es, wenn man das Treiben dieser bemerkenswerten Tiere bei einem Helikopterflug beobachten kann. So mancher Pilot von Hubschraubern wird bestätigen, dass die Alpenwelt ohne den Anblick des Steinbocks, nicht mehr dieselbe wäre.

Im Moment leben etwa 40.000 Tiere in freier Wildbahn in den Alpen. Vor allem in der Schweiz und in Italien konnte der Steinbock wieder erfolgreich angesiedelt werden. Es sieht so aus, als ob sie schon immer hier gewesen wären und doch gab es eine Zeit, in der sie schon ausgerottet waren. Bis Ende des 19. Jahrhundert sind nur noch kleine Bestände im Gran Paradiso übergeblieben und der freilebende Steinbock schien für immer ausgerottet. Man kann fast schon sagen, dass in letzter Minute die Rettung kam. Im Wildpark Peter und Paul in St.Gallen gelang es, den Steinbock anhand dreier Jungtiere, die von Joseph Bernard aus dem Aostatal in den Wildpark gebracht wurden, dieses wunderschöne Tier Anfang des 20. Jahrhunderts zu züchten. Im Jahr 1911 wurden fünf der im Park aufgezogenen Steinböcke ausgewildert und siedelten sich am Rappenloch im Weisstannental im Kanton St. Gallen wieder an. Diese Aktion glückte und das Steinwild verbreitete sich im Alpenraum und konnte so von der Ausrottung gerettet werden.

Anhand dieses erfolgreichen Beispiels der Wiederansiedlung von fast ausgerotteten Tieren, versucht man auch andere Populationen wieder ins Landschaftsbild der Alpen einzugliedern. Unter anderem gibt es seit den 70-er Jahren Projekte, um den Luchs wieder anzusiedeln damit sie gemeinsam mit den Murmeltieren, Gämsen und Steinbocken die Alpenlandschaft und Waldgebiete der Schweiz prägen. Bei Rundflügen mit dem Helikopter kann schon heute die eine oder andere Steinwildfamilie in freier Wildbahn beobachtet werden, während die Murmeltiere mit einem gekonnten Pfiff ihre ganze Siedlung vor den Eindringlingen warnen. Mit ein bisschen Glück, kann man einen flüchtigen Blick auf diese putzigen Kerlchen jedoch auch noch erhaschen, bevor sie in ihren unterirdischen Behausungen verschwinden.

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